"Linke Parteien kamen nicht infrage"

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(Quelle: Westfälische Nachrichten)

Interview mit Jonas Hülskötter

Jonas Hülskötter (Foto: Pjer Biederstädt, WN)

Nordwalde. So jung und schon Vorsitzender der Nordwalder CDU. Jonas Hülskötter (26) spricht nach 100 Tagen im Amt im Interview mit Pjer Bieder­städt über seine ersten Eindrücke als Vorsitzender, seine Ziele für Nordwalde und warum die CDU seine politische Heimat geworden ist.

Sie sind gut 100 Tage Vorsitzender der Nordwalder CDU. Was hat sich für Sie mit dem Amt verändert?

Jonas Hülskötter: Grundsätzlich hat sich nicht viel verändert, weil ich vorher schon für die CDU aktiv war. Neu ist, dass man in der ersten Reihe steht und mehr Verantwortung trägt. Seit ich im Amt bin, hat eine Vorstandssitzung stattgefunden, auf der ich skizziert habe, was ich vorhabe.

Und was wäre das?

Hülskötter: Ich möchte die Kommunikation unter den Mitgliedern, aber vor allem nach außen optimieren. Facebook ist nicht immer die optimale Lösung. Ich würde sogar sagen, dass es eher Fluch als Segen ist. Kürzlich ist unsere neue Internetpräsenz online gegangen. Die ist wichtig als Aushängeschild. Weiter ist es natürlich maßgeblich, neue Mitglieder zu bekommen. Wer Interesse hat, kann sich gerne bei uns melden.

Was steht neben der Außendarstellung auf Ihrer Agenda?

Hülskötter: Es ist geplant, einen Bürgerstammtisch anzubieten. Außerdem wollen wir öfter Events mit thematischem Schwerpunkt organisieren. Im November haben wir eine Unternehmensbesichtigung bei Hengst Filterwerke unternommen, die unter der größeren Fragestellung stand: Was bedeuten Freihandelsabkommen wie TTIP oder CETA eigentlich für die Kommune? Am konkreten Nordwalder Beispiel kann man Mitgliedern solche Themen gut näherbringen und komplexe Vorgänge greifbarer machen. Veranstaltungen dieser Art würde ich gerne etablieren.

Gutes Stichwort. Sie sind mit 26 Jahren ein junger Vorsitzender. Ist es Ihre Aufgabe, auch die junge Generation für Politik zu begeistern?

Hülskötter: Absolut. Mir ist es sehr wichtig, junge Leute zu mobilisieren. Sie sind unsere Zukunft und müssen für ihr Recht zur Mitgestaltung begeistert werden. Man muss aber auch den Schulterschluss zwischen den Generationen schaffen. Und ganz gleich, ob jung oder alt: Die große Herausforderung ist es heutzutage, die Leute in ihrer Komfortzone abzuholen. Wer nicht direkt mit Politik in Kontakt kommt, entwickelt immer stärker Berührungsängste. Die müssen wir abbauen.

Ist es ein Vor- oder ein Nachteil ein junger Vorsitzender zu sein?

Hülskötter: Das ist zweigeteilt. Ich kann bestimmt frischen Wind reinbringen und habe vielleicht in einigen Bereichen noch keine Betriebsblindheit entwickelt. Andererseits ist es schwer, bei älteren Menschen die nötige Akzeptanz zu bekommen.

Fühlen Sie sich immer ernst genommen?

Hülskötter: Damit habe ich bislang noch keine negativen Erfahrungen gemacht. Aber ich könnte mir vorstellen, dass die Skepsis in manchem Kopf verankert ist.

Wo sehen Sie in Nordwalde Potenzial zur Verbesserung?

Hülskötter: Wir müssen versuchen, schnellstmöglich aus der Haushaltssicherung herauszukommen und Investitionen nicht nur über Kredite zu finanzieren. Denn das bedeutet, dass es die nächste Generation zahlt. Bei einer langfristigen Investition wäre es beispielsweise fair, wenn die Kosten aufgeteilt werden würden. Den gegenwärtig anfallenden Teil könnte man über Steuererhöhungen finanzieren, den Rest als Kredit der kommenden Generation aufbürden. Mir ist Generationengerechtigkeit wichtig. Viele sprechen davon, aber kaum jemand handelt danach.

Wie kann das gelingen?

Hülskötter: Man muss sich langfristig strategisch aufstellen. Im Moment versuchen wir, immer nur die Brände zu löschen. Deshalb wollen wir zusammen mit der Fraktion einen Arbeitskreis „Vision 2030“ bilden, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht werden zu können.

Welche sind das?

Hülskötter: Laut Bertelsmann-Stiftung wird die Bevölkerung in Nordwalde bis 2030 um 4,9 Prozent schrumpfen. Wir müssen dagegenwirken, beispielsweise mit Familienzuzug. Dafür brauchen wir Wohngebiete und Gewerbeflächen, um den Menschen Jobs zu bieten und den Ort attraktiv zu halten – auch wenn Nordwalde mit der weiterführenden Schule, dem Sportgelände und guten Einkaufsmöglichkeiten schon jetzt viel bietet.

Wieso entscheidet man sich als junger Mensch für die konservative CDU?

Hülskötter: Nach meiner Zeit im Jugendparlament habe ich geschaut, wo es die meisten Schnittmengen gibt. Ich habe Wirtschaftsabitur gemacht, daher kamen linke Parteien für mich nicht infrage. Die soziale Marktwirtschaft hat sicher auch Fehler, aber unter den vorhandenen Modellen ist es immer noch das Beste. Die FDP ist mir zu liberal. Der Markt hat einfach Schwächen, da muss auch mal interveniert werden. Noch ein Kernpunkt: Ohne streng gläubig zu sein, beinhaltet das christliche Menschenbild die wichtigsten Werte. Wer die ernst nimmt, kann gar nicht verurteilen, wie sich Angela Merkel in der Flüchtlingsproblematik verhalten hat.

Könnten Sie sich eine Laufbahn in der Politik vorstellen?

Hülskötter: Dafür braucht man ja erstmal das Mandat der Bürger. Um deren Interessen zu vertreten, besonders auf höherer Ebene, brauche ich Erfahrung, die mich dazu legitimiert. Ich möchte erst in der Privatwirtschaft Erfahrung sammeln, wenn es sich dann ergibt, kann ich mir das vorstellen. Wobei man sich gut überlegen muss, ob man sich so der breiten Öffentlichkeit aussetzen will.

Wie meinen Sie das?

Hülskötter: In Zeiten, in denen Politiker-Bashing ein Trend geworden ist, muss man sich das gut überlegen. Bei uns in Nordwalde hat man es jetzt beim Thema ZOB gesehen.

Und was hält Sie trotzdem bei der Stange?

Hülskötter: Die Chance mitzugestalten. Diese sollten mehr junge Leute wahrnehmen. Es lohnt sich.

(Quelle: Westfälische Nachrichten)

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